Figuren

Sie sind das Paradestück der Telfer Fasnacht geworden und namengebend. Von 1890 bis 1935 wuchs ihre Zahl von 17 auf 30 und 40 Darsteller an

Bis 1864 trugen sie nur besonders spitz zulaufende Hüte, auf deren Krempe ein sogenannter „türkischer Bund“, d.h. verschiedenfarbige Schnüre und Tuchstreifen, zu einem Wulst zusammengedreht wurde, den eine darüberliegende Goldschnur zusammenhielt.

Um den Hut selbst waren mehrere, meist rotseidene Tüchlein und farbige Bänder aus Papier befestigt, die beim Aufspringen in der Luft flatterten. Andere Hüte waren mit Seidentüchern fest umwickelt. Der Hut maß 1 m bis 1,60 m in der Höhe. Die Schleicher kleideten sich nach alter mündlicher Überlieferung mit einer weißen Hemdbluse und einem Goller (= ein kragenartiger Umhang), dem graue oder weiße, seltener farbige Dreiecke aus Papier aufgenäht waren, die sich gegenseitig deckten und einer weißen langen Unterhose. Ab 1867 säumten alle Schleicher ihren Goller mit kostbaren Goldspitzen ein, wie sie auch anstelle der Hosenfransen immer mehr kostbare Spitzen oder Borten setzten.
Durch den Einfluss des einheimischen Künstlers Josef Pöschl fand der Spitzhut eine künstlerische Ausgestaltung. Da unter den Schleichern zahlreiche kunstbegabte Männer mitwirkten, wurden die Hüte auch individuell dem Zeitgeist der jeweiligen Epochen auf fantastische Weise weiterentwickelt und gestaltet. Mehr und mehr wollte jeder Schleicher seine eigenen Ideen einbringen und diese selbst darstellen. Dies gilt bis zum heutigen Tag.
Seit 1895 tragen die Schleicher schwarze Halbschuhe, oder farbige, meist bestickte Hausschuhe, weiße Kniestrümpfe, farbige Kniebundhosen aus Seide, Spitzen Fransen und Borten, die einst der Dämonenabwehr galten. Alle tragen weiße Handschuhe, um die Körpermitte einen Ledergurt mit einer Schelle. Ein „Polsterle“ (= kleines Kissen) stützt am Rücken die großen Schelle ab.
Der Ledergurt wird von einer breiten, auf der linken Seite herabhängenden Schärpe verdeckt. In der Rechten trägt der Schleicher eine Stange mit aufgereihten Brezen und ein Fähnchen; in der linken Hand ein mit Spitzen verziertes Tüchlein. Der letzte Schleicher – der Auskehrer – trägt statt des Fähnchens einen kleinen Besen aus Birkenreisig.

Das Gesicht des Schleichers macht eine Drahtmaske unkenntlich. Die Maske trägt jugendliche Gesichtszüge.

Der Laterntrager

Der Laterntrager springt den Schleichern voraus, um ihnen den für ihren Kroas benötigten Platz zu schaffen. Das Kostüm des Laterntragers ähnelt das einem Harlekin – Grüne Jacke, gelb/rote Hose und rot/gelbe Socken. Den Hut, in Form eines Dreispitzes mit einem senkrechten Kegels, zieren fast 3.000 Maiskörner. Der Laterntrager trägt, anders als die Schleicher mit ihren Drahtmasken, keine Maske sondern ist sein Gesicht mit weißer Farbe geschminkt, Wangen und Lippen sind rot gefärbt. Dieses Kostüm wird etwa 1950 getragen, Überlieferungen von älteren Fasnachten zeigen auch den Laterntrager in anderen Verkleidungen.

In der rechten Hand schwenkt der Laterntrager eine „Laterne“ – daher der Name Laterntrager. Das mit Leinwand bespannte Drahtskelett ist 90 cm hoch und hat eine Seitenlänge von 50 cm.

Der Laterntrager ist die einzige Figur, die nach dem Schleicherlaufen noch einmal kostümiert auftritt: Bei der Totenehrung am Fasnachts-Samstag, bei dem den verstorbenen Fasnachtlern der vergangenen 5 Jahre gedacht wird, tänzelt der Laterntrager noch einmal in seinem bunten Kostüm dem Fackelzug der Fasnachtler durch das Dorf zum Pfarrfriedhof voraus.

Die Innengruppe

Unmittelbar nach dem Laternenträger kommen im Aufzug der Wirt mit Kellnerin und Gläserbua, gefolgt vom Tuxer und der Tuxerin, hernach Senner und Sennerin und vor dem ersten Schleicher der Goaßer. All diese Figuren bilden zusammen die Innengruppe der Schleicher.

Der Wirt trägt fast stets einen grünen Wirtsfez („Stotzen“ genannt), ein offenes mit Blumenmuster verziertes Samtgilet, weiters Kniebundhosen aus schwarzem Stoff, grüne Hösenträger, schwarze Halbschuhe mit Silberspangen und einen breiten weißen Wirtsschurz.

Der Wirt hält Listen in der Hand und ein Weinglas. Im Zuge der Aufführung ruft der Wirt Leute aus, die man hochleben lassen will. Dabei erfährt er die Namen unter anderem von den Außenwirten, die so die Namen der zahlungskräftigen Personen an den Wirt weiterleiten – denn die Ehre des Hochleben-Lassens ist mit einem Obulus verbunden.

Der Wirt ruft den Namen des Geehrten, hebt das volle Weinglas und sagt dazu: „Eer lebe hoch, hoch, hoch“. Jedes Hoch wird von einem kurzen Anschlagen der Schleicherschellen begleitet. Deswegen ist eine gute und laute Stimme für den Wirt fast schon eine Grundvoraussetzung (und natürlich sollte der Wirt auch trinkfest sein).

Begleitet wird der Wirt von der Kellnerin und dem Gläserbua. Die Kellnerin ist stets stark geschminkt und trägt ein Sommerdirndlkleid. Der Gläserbua ist mit einem Stoffkappl, Hosenträgern, schwarzen Halbschuhen und Lederhose bekleidet. Weiters führt der Gläserbua einen weidengeflochtenen Handkorb mit Weinflaschen, Gläser und Auswischtuch bei sich.

Der Goaßer, wie der Hirt allgemein bezeichnet wird, trägt einen Hirtenhut ohne Krempe, zwei weiße Hahnenfedern und echtes Edelweiß. An einem Umhangeriemen hängt eine Ledertasche und weiters ein „Goaßerhorn“ (eine Art Trompete aus Eibenholz, mit Birkenrinde umflochten). Sobald das dritte Tschalung der Schleicherschellen nach den Hochrufen des Wirts ertonte, bläst der Goaßer dreimal in sein Horn. Das ist das Signal für die Schleicher, einen Kroas zu tanzen. Auch die zwei Paare der Innengruppe, Tuxer und Tuxerin sowie Senner und Sennerin, folgen diesem Signal. Nach dem Blasen tanzt auch der Goaßer selbst mit. Beim ersten Sprung springt der Goaßer dem Vorhupfer entgegen, dreht sich beim zweiten Sprung um die eigene Achse und kommt mit dem dritten Sprung wieder vor den Vorhupfer. Die weiteren Sprünge macht er nach rückwärts, das Gesicht immer den Schleichern zugewandt. Zum Zeichen der Beendigung des Sprunges bläst er wieder in sein Horn.

Der Tuxer und die Tuxerin
Der Tuxer, auch Bauer genannt, trägt einen großen breitkrämpigen schwarzen Trachtenhut mit ienem Band um das Kinn befestigt. Dazu eine offene graue Tuxerjacke mit schwarz eingefassten Kragen und eine Kniehose, ein grünes Wams und weißes Hemd. Der echte Bart des Tuxers betont die Männlichkeit, während die weibliche Rolle der Tuxerin durch eine falsche Gretlfrisur hervorgehoben wird. Auch das Tuxerpaar beginnt nach dem Signal des Goaßers zu tanzen. Der Tuxer hält in seiner rechten Hand einen übermannsgroßen Almstück zunächst senkrecht, die Tuerin winkelt beide Arme ab, während sie die Hände in den Hüften abstützt. Das Paar umkreist sich in einer Art Figurtentanz, die Beine werden bei jedem Schritt unabgewinkelt hoch vom Boden abgehoben. Dann hebt der Tuxer den Stab waagrecht, die Tuxerin ergreift ihn am anderen Ende, ihre linke Hand bleibt in der Hüfte abgestützt. Der Stock verbindet beide, wenn die Tuxerin im Kreisen um den Tuxer unter dem Stock hindurchschlüpft. Dieser Tanz spielt sich innerhalb des Schleicherkreises ab. Das Paar verkörpert die Telfer Bauern, denen das Almvieh gehört.

Der Senner und die Sennerin
Wenn man Wirt und Kellnerin als Paar auffasst, so sind Senner und Sennerin nach Tuxer und Tuxerin das dritte Paar im Innenkreis. Sie stellen das Almpersonal dar. Der Senner hat eine kurze weiße Lederhose aus leichtem Stoff an mit rot eingefassten Hosenträgern. Der übermannsgroße Bergstock des Senners ist mit einem Almbuschen geschmückt, der aus künstlichem Edelweiß, Enzian und Almrosen gebildet wird. Die Sennerin hat so wie der Senner keine Gesichtmaske, ist aber stark geschminkt und hat eine Gretlfrisur. Sie trägt einen Strohhut und zwei Hahnenfedern wie ihr männlicher Widerpart. Auch sie hält einen Bergstock, nur ist dieser nicht einmal schulterhoch. Senner und Sennerin sind das äußere Tanzpaar im inneren Kreis. Diese beiden Figuren tanzen jede in entgegengesetzter Richtung, sodass sie sich kreuzen, wenn sie sich, nie auf zwei Beinen gleichzeitig, sondern abwechselnd, immer nur auf einem Bein hüpfend, im Kreis begegnen. Ihr Tempo ist viel schneller, sie sind also nicht im Takt mit dem Tschalung der Schleicher.